Freitag 4.11.22

Katrin Szamatulski, Viviane Hasler, Vitalii Kyianytsia, Moritz Schneidewendt, William Overcash, Kyubin Hwang

Freitag  4. November  19:30 Uhr

HOW DARE YOU !?

Olivier Messiaen Quartett an das Ende der Zeit

Weitere Werke von Kaija Saariaho, Lori Laitmann, Yu Kuwabarah, Elis Hallik, Veit Erdmann-Abele (UA)
Texte von Jonathan Franzen, Greta Thunberg, Luisa Neubauer u.a.

BROKEN FRAMES SYNDICATE
Katrin Szamatulski
, Flöte
Moritz Schneidewendt, Klarinette
William Overcash, 
Violine
Kyubin Hwang
, Violoncello
Vitalii Kyianytsia, Klavier

mit Viviane Hasler, Sopran


Angesichts der unübersehbaren Klimakrise steht die Menschheit am Abgrund. Wir müssen uns eingestehen: Wir haben keine Zeit mehr! Mit zeitgenössischen Stimmen und Olivier Messiaens Quartett an das Ende der Zeit macht sich Broken Frames Syndicate auf die Suche nach Hoffnung in schweren Zeiten.

• Olivier Messiaen (1908-1992) – Quatuor pour la fin du temps (1940/41) für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier
• Kaija Saariaho (1952) – Changing Light (2002) für Flöte und Sopran • Lori Laitman (1955) – I never saw another butterfly (1996) für Klarinette und Sopran
• Yu Kuwabara (1984) – Seven Studies about „Image“ (2018) für Violine, Violoncello und Klavier • Veit Erdmann-Abele (1944) – Pensieri brevi – Vier Rezitative (2019) für Flöte und Sopran (Uraufführung)
• Elis Hallik (*1986) – To Become a Tree (2016) für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier


ZEITEN:W:ENDE?

Die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels sind inzwischen unübersehbar. Überall auf der Erde häufen sich Naturkatastrophen – extreme Dürre, Überschwemmungen und Waldbrände zeigen allerorten, wie schlecht es um unseren Planeten steht. Konfrontiert mit den Auswirkungen dieser Entwicklungen steht die Menschheit am Abgrund und viele fragen sich hilflos: ist es schon zu spät!
Wir beschäftigen uns in diesem Zusammenhang mit Zahlen und Fakten zum Thema und stellen aktuellen, jungen Stimmen höchst emotionale Musik zur Seite. Und so verkündet ein Engel in Olivier Messiaens berühmtem Quartett “das Ende der Zeit” – in unserem Kontext ebenso dringlich wie etwa die Fridays-for-Future Bewegung deutlich macht, dass
wir unserer Jugend die Träume und Zukunft gestohlen haben – dass wir schlicht keine Zeit mehr haben.
Olivier Messiaen, welcher sein Quartett in Kriegsgefangenschaft im Stalag VIIIA in Görlitz komponierte und 1942 vor Mitgefangenen und Nazi-Wachpersonal zur Uraufführung brachte, fand Hoffnung und den Mut zum Weitermachen vor allem in seinem religiösen Glauben. Gleichzeitig zeichnet sich seine Musik aus durch eine enge Naturverbundenheit – berühmt sind beispielsweise seine Vogelruf-Zitate – und öffnen uns die interpretatorische Verbindung zur Klimakrise. So kündigt der Erzengel die anstehende Katastrophe an, Vögel fliegen lethargisch über dem Abgrund, es wirbeln Regenbögen und Feuerstürme und schließlich bricht die Wut und Verzweiflung über uns herein, wenn das Ensemble im unisono den “danse de la fureur” intoniert. Die Trauer, die wir über die unumkehrbaren Folgen der Klimakrise empfinden, wird abgebildet durch Duos, welche Flöte oder Klarinette jeweils mit unserer Sopranistin spielen.

Der Liederzyklus “I never saw another butterfly” der Amerikanerin Lori Laitman vertont Gedichte von im Konzentrationslager Terezin internierten Kindern. So hören wir vom allerletzten Schmetterling, den Pavel Friedmann 1942 gesichtet hat – “that butterfly was the last one. Butterflies don`t live in here, in the ghetto.” oder folgen Franta Bass auf einem letzten Gang durch den Garten. Am Ende steht “The old house” – “deserted, rotting in silence” – und denken dabei an Greta Thunbergs Warnung vor dem Artensterben und an ihre Worte: „Ich will, dass ihr in Panik geratet. Ich will, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre. […] Ich will, dass ihr handelt, als würde euer Haus brennen. Denn es brennt.“
Und mit diesem Blick in die Ferne fragen wir uns wie Messiaen, woraus noch Hoffnung zu schöpfen ist und ob es Lösungsansätze gibt. Auch wenn wir hier leider keine konkreten Antworten liefern können, plädieren wir doch wenigstens für mehr Bewusstsein und mahnen zu mehr Naturverbundenheit. So lässt sich das so folgenschwere Bienensterben durch Schutzmaßnahmen noch stoppen – noch haben wir die Chance, Schmetterlinge in unseren Gärten und Parks zu bewahren. Hier stoßen wir dennoch auf einen scheinbaren Widerspruch: Wir sehen die zerstörerischen Folgen unseres Handelns aus den letzten 200 Jahren nun täglich konkret vor Augen – die Natur stirbt vor unserer Haustür, Dürre- und Flutwellen töten jegliches Leben – und dennoch suchen viele Menschen Hoffnung und Spiritualität gerade in eben dieser Natur, musikalisch abgebildet in den «Pensieri brevi» des Reutlinger Komponisten Veit Erdmann-Abele (Uraufführung) oder den Landschaftsbildern in «Seven Studies about Image» der japanischen Komponistin Yu Kuwabara. Mit dieser Hoffnung möchten wir ebenfalls unser Programm beenden und laden das Publikum quasi zu einer gemeinsamen Achtsamkeitsübung ein, gemeinsam mit uns ein Baum zu werden – «to become a tree» von der estnischen Komponistin Elis Hallik.